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Sonic Youth


www.sonicyouth.com
www.myspace.com/sonicyouth

Auf der sorgsam kompilierten B-Seiten-Kollektion der New Yorker Indie-Helden Sonic Youth findet sich nicht weniger als die Essenz der Band.

Es kann nur eine geben!

Manchmal lohnt es sich, im Kaffeesatz nach der Wahrheit zu suchen. Aus dem, was manch einer so wegschmeißt, schaffen andere schließlich bisweilen ein Kleinkunstimperium. So gereicht die Veröffentlichung einer B-Seiten-Sammlung, eines Raritätenkabinetts, oftmals nur zum Winterschlussverkauf nach dem Motto: Alles muss raus. Bei den New Yorker Noise-Avantgardisten Sonic Youth, um die Gründungsmitglieder Thurston Moore, Lee Ranaldo und die Bassistin Kim Gordon, ist das anders, da sorgt schon eine Sammlung von Nicht-Veröffentlichungen für offene Münder und betretenes Schweigen, zumindest beim Fan. Mit "The Destroyed Room: B-Sides And Rarities" legen Sonic Youth jetzt ein Sammelsurium aus Bonustracks, B-Seiten und Unveröffentlichtem vor, das einmal mehr klarmacht: Es kann nur eine geben. Nur eine Band, die sich bei allem subtilen Popappeal derart dem Pop verweigert, ihn dekonstruktiviert und aus der Verankerung reißt. Vielleicht waren Sonic Youth zu ihrer Hochzeit, den 90ern, die am wenigsten rockende Rockband der USA. Gut möglich, dass sie es immer noch sind.

Indie-Vidualismus vs. Mainstream

Die New Yorker Band prägte die späten (Indie-)Achtziger, mit Alben wie "EVOL", "Sister" und "Daydream Nation". Alben, die eine weltweite Kultanhängerschaft nach sich zogen und quasi als Missing Link die Kette Punk - Post Punk - No Wave vervollständigten. Sonic Youth nahmen spätestens mit ihren Alben "Goo" (1990) und "Dirty" den Grunge vorweg, galten später als sein Ziehvater. Die "Dirty"-Singles „100%“, „Youth Against Fascism“ und „Sugar Kane“ gerieten zu Schlagworten der Alternative- und Grunge-Bewegung. Nirvana ohne Sonic Youth? Es wäre letztlich undenkbar gewesen. "Dirty", das achte Album der klingenden Jugend, erschien 1992 auf den Major Geffen und unterstrich eindrucksvoll, dass man auch als ernstzunehmender Indie-Vidualist eine gute und lang anhaltende Beziehung mit einem Majorlabel führen kann. Eine Hochzeit mit dem Mainstream, der aber die Flitterwochen vorausgegangen waren, als Neil Young die Band nicht nur zum Unverständnis seiner eigenen Fans mit auf seine "Ragged Glory"-Tour nahm. Es wird seiner Reputation im Indiebereich indes mehr genützt haben, als es Sonic Youth umgekehrt die Tür zum Mainstreampublikum öffnete.

Raritäten des Unterbewusstseins

"The Destroyed Room: B-Sides And Rarities" konzentriert sich nun ausnahmslos auf die Neunziger, mehr noch auf die letzten Jahre zwischen 2000 und 2003, die Jahre in denen auch Produzent und Musiker Jim O'Rourke zur Gruppe gehörte, die er dann 2004 wieder zu Gunsten einer Karriere als Filmemacher verließ. Drei bisher unveröffentlichte Tracks haben Moore und Co. aus den Mottenkisten im Bandkeller ausgegraben, den Rest mit Liebe kompiliert. "The Diamond Sea" z.B., in einer 25-minütigen, überbordenden Version, im Gegensatz zur Original-LP-Version von 1995. Liebhaberstücke, über die sich nächtelang beim Bier fachsimpeln lässt und die zum Distinktionsgewinn auf der WG-Party nahezu unverzichtbar sind, wenn sich die Spreu vom Weizen, der Kenner vom Hörer scheidet. Die Tracks "Razor Blade" und "Beautiful Pleateau", letzterer ein Japan-Bonus des umjubelten "Sonic Nurse"-Albums von 2004, bringen Sonic Youth auch anno 2006 noch auf den Punkt: Ein weit schweifender Blick über höchste Höhen, zugleich ein Ritt auf der Rasierklinge, weil das Feedback die Andacht stört. "The Destroyed Room: B-Sides And Rarities" ist das Unterbewusstsein von Sonic Youth, Dinge, die bisher weitestgehend im Verborgenen blieben. Manchmal muss man nur ein wenig nach ihnen graben.

 



 

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